das historische grashaus zu aachen - bauliche fertigstellung ende 2014

umbauen, restaurieren, umnutzen

ansicht

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historissche fassade fischmarkt

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urkundensaal

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informationstafel und briefkasten in einem

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innenhof-fassade mit historischen und neuen elementen

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sorgälftiges fügen neuer bauteile

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eingangsbereich

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blick ins eu-direct-büro

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zeitgemäße elemente im dialog

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integrierter möbelentwurf

mit dem gebäude des grashauses hat die stadt aachen ein besonderes baudenkmal, dessen grundmauern zum teil aus der zeit des mittelalters stammen (1267). das grashaus wurde zu eben dieser zeit als erstes aachener rathaus genutzt. damit hat dieses gebäude eine einzigartige bedeutung in der aachener stadtgeschichte, zumal es über die jahrhunderte kontinuierlich genutzt wurde und sich stets in der hand der stadt aachen befand.
nachdem das heutige aachener rathaus im 14. jahrhundert fertiggestellt war, kam dem grashaus zunächst die nutzung als gefängnis zu. aufgrund erheblicher baulicher schäden, erwog man im 19. jahrhundert den abbruch des gebäudes. bürgerinitiativen verhinderten allerdings die vernichtung dieses einzigartigen baus, sodass im späten 19. jahrhundert der sorgfältige umbau mit einer umfassenden erweiterung zum stadtarchiv und stadtbibliothek erfolgen konnte. für die planungen zeichnete der baumeister joseph laurent verantwortlich, der einige jahre später auch die aachener elisabeth-schwimmhalle entwarf. das stadtarchiv nutzte das grashaus bis 2012, bis es in die ehem. rheinnadel-fabrik umzog.
die besondere herausforderung bei diesem projekt war, nicht nur ein architektonisches konzept zu finden, das dem historischen erbe gerecht wird und neue bauteile bewusst kenntlich macht, sondern auch die technischen anforderungen wie elektro, heizung, datentechnik und brandschutz mit so wenig 'verletzungen' wie möglich in den schützenswerten bestand zu adaptieren. so musste der aufwändige bauliche standard von heute in ein gebäude, dessen ursprünge bis ins mittelalter zurückreichen, mit besonderer sorgfalt integriert werden.

aufgabe und ziel

im rahmen der route charlemagne, die aachens geschichte um karl den großen für bürger und besucher anschaulich zu machen vermag, beabsichtigt die stadt aachen künftig das grashaus als "station europa" zu nutzen. dazu gehört neben einer ausstellungsnutzung auch die einrichtung eines sog. 'europäischen klassenzimmers', in dem schulklassen oder interessierte gruppen über die geschichte und die zukunft europas unterrichtet werden können.
so soll das komplette obergeschoss für diese zwecke genutzt werden, ebenso der historische urkundensaal, dessen vorhandene vitrinen aus dem 19. jahrhundert in die ausstellungskonzeption integriert werden. zusätzlich wird der als 'kapelle' bezeichnete kreuzgewölbesaal im erdgeschoss als interaktiver ausstellungsraum gestaltet. (fertigstellung vorr. mai 2015 - szenografie: chezweitz berlin)
die stiftung internationaler karlspreis hat im erdgeschoss mit den räumen für die geschäftsführung eine repräsentative adresse bekommen.
ein eu direct-büro, das sich bislang im haus löwenstein befand, informiert den bürger hier nun über alle belange, die ihn persönlich mit der eu betreffen.

architektonische umsetzung mit respekt vor dem baudenkmal

das historische haupttreppenhaus ist nach wie vor der repräsentativer hauptzugang des gebäudes. für die barrierefreie erschließung war der einbau eines aufzugs erforderliches. um die eingriffe in die historische bausubstanz zu gering als möglich zu halten, wurde ein plattformlift vorgesehen, da dieser ohne unterfahrt auskommt und nicht über dach geführt werden muss. zunächst wurden alle nicht historischen einbauten (zumeist aus den 1970er jahren) entfernt.
grundriss erdgeschoss
erdgeschoss
die bauzeitlichen, schottenhaften wände (ursprüngliche wohnung des hausmeisters) wurden vorsichtig abgebrochen und durch einen unterfangung aus stahl ersetzt. so wured eine flexible und zukunftssichere nutzung des erdgeschosses hergestellt. wandvorlagen und bewusst sichtbare unterzüge lassen die bauidee weiterhin erkennen und lassen die rhytmisierung des langbaus ablesen. gleichzeitig wurde mit einer mittleren stahl-rundstütze das architektonische thema des obergeschosses (natursteinsäule mit mauerbögen) mit einer modernen umdeutung ins erdgeschoss übertragen. die bauforschung hat ergeben, dass die wand zwischen eu direct-büro und karlspreisstiftung während zweier bauabschnitte im 19. jahrhundert eine aussenwand war. diesem umstand wurd durch eine besondere behandlung dieser wand (tiefere abfangung, freilegung des sichtmauerwerks) rechnung getragen.
aufgrund baulicher bedingungen konnte die 'kapelle' im derzeitigen zustand nicht barrierefrei erreicht werden, sodass man sich in enger abstimmung mit der denkmalpflege, der bauordnung und der feuerwehr zum abbruch einer der vier brüstungen dieses saales entschieden hat. hier gewährleistet ein zurückhaltend ausgeführter hebelift den zugang für rollstuhlfahrer. gleichzeitig dient dieser neue zugang als zweiter rettungsweg. das historische fenster wurde entfernt, die brüstung abgebrochen und eine vollverglasung eingesetzt. in diese integriert ist eine stählerne laibung mit opakem türflügel implementiert. beim brüstungsabbruch wurden volle steine entnommen und diese wie mit einer plombe aus putz aufgefüllt. der vorgefundene historische parkettboden des saales, der bis auf restauratorische maßnahmen kaum verändert wird, musste lediglich einer behutsamen überarbeitungen unterzogen werden. die technischen einbauten können in den heizungsluftschächten des 19. jahrhunderts geführt werden, sodass in die substanz des gänzlich ausgemalten raumes nicht eingegriffen werden muss.

1. obergeschoss
die räume des obergeschosses werden ausschließlich für die europa-ausstellung und das sog. klassenzimmer genutzt. während der urkundensaal aufgrund seines guten zustands baulich nicht verändert wurde, erfuhr der langbau eine überarbeitung. im ehemaligen lesesaal (3 joche) ist unter dem nadelfilzfußboden der 1970er jahre der historische parkettboden bei sondierungen zutage gekommen. dieser wurde einer sorgsamen überholung unterzogen. in den übrigen beiden jochen unmittelbar vor dem haupttreppenhaus war bislang eine büronutzung. in einer nachträglichen trennwand wurde die dort vermutete natursteinstütze (s. foto) bereits wieder entdeckt und freigelegt.

dachgeschoss
das dachgeschoss wurde vor ca. 10 jahren zu büros umgenutzt und bleibt generell als solches erhalten. die größte veränderung des geschosses geschah im bereich des plattformliftes. hier wurd außerdem die behindertentoilette und der wickelplatz untergebracht.

sonstige bauliche maßnahmen
generell erfolgte eine konservatorische und restauratische überholung sämtlicher historischer bauteile. dazu gehörten die fenster, die türen, die böden und sonstige elemente. die toilettenanlagen wurden komplett entkernt und durch neue, moderne ersetzt. glastrennwände und größere fenster schufen trotz beengter verhältnisse einen großzügigeren charakter.

besondere herausforderungen

nicht nur die bauphase unterlag einer besonderes sorgfalt und aufmerksamkeit, sondern auch bereits bei der planung musste ein hoher aufwand geleistet werden. als grundlage für die werk- und detailplanung konnte ein digitales gebäudemodell des grashauses verwendet werden. dieses wurde von studenten und assistenten des lehrgebietes denkmalpflege der rwth aachen aufgenommen. zusätzlich mussten die geometrien des historischen gebäudes an den unterschiedlichsten stellen des hauses immer wieder punktuell aufgenommen und überprüft werden.
die entwurfs- und planungspahse, sowie die abwicklung der baustelle geschah in enger abstimmung mit der stadt aachen, der denkmalpflege, dem lvr-amt für denkmalpflege und der archäologie. für die eigentliche bauphase mussten alle empfindlichen bauteile geschützt werden. hölzerne türstöcke, die geländer aus naturstein oder die säulen wurden mit holz temporär eingehaust.

leistungen
überarbeitung vorentwurf
entwurfs- und genehmigungsplanung
förderanträge
werk- und detailplanung m_1:50 bis m_1:1
ausschreibung + vergabe
objektüberwachung + abrechnung
dokumentation


bilder: m. knapp

 

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zuletzt aktualisiert am 15.05.2015 >> mk